Zum Inhalt springen

Chorprojekt The Armed Man 2010

"The Armed Man: A Mass for Peace" ist eine Friedensmesse des Komponisten Karl Jenkins. Die Uraufführung war 2000 in London.

2010, anlässlich des 50. Geburtstags des Neckarsulmer Albert-Schweitzer-Gymnasiums konnte das grandiose Werk bei zwei Konzerten in den Neckarsulmer katholischen Kirchen St. Dionysius und St. Johannes aufgeführt werden. 160 Musiker und Sänger des JSO sowie des ASG-Schulchors brachten die Zuhörer durch das anspruchsvolle Werk zum Staunen, regten aber auch zum Nachdenken an, wie Frieden in der Welt erreicht werden kann.

Chorkonzert_The_Armed_Man_2010.jpg

Grandioses Jubiläumskonzert

Neckarsulm - Schüler-Eltern-Lehrerchor und Jugendsinfonieorchester mit "The Armed Man"

von Ute Plückthun

Neckarsulm - Jedes der dreizehn Stücke hätte rauschenden Applaus verdient, doch der war aufgrund der nachhaltigen Wirkung erst am Schluss des mehr als einstündigen Vortrags erlaubt: Ein "anspruchsvolles Konzert" zum 50. Geburtstag des Albert-Schweitzer-Gymnasiums hatte Rektor Peter Huther angekündigt. Dass "The Armed Man − A Mass für Peace" von Karl Jenkins zugleich ein "optimistisches Werk" mit unabdingbarem Antikriegsgedanken ist, betonte Dirigent Xaver Detzel, der den Schüler-Eltern-Lehrerchor des ASG und das Jugendsinfonieorchesters der Städtischen Musikschule zu hervorragenden Leistungen führte.

Eindrücke

"Super, genial": Die Eindrücke nach dem Konzert in St. Dionysius sind überschwänglich. "Das Agnus Dei hat mich zu Tränen gerührt", gesteht Claus Selbmann und lobt den bis ins Detail feinsinnigen Vortrag von Chor und Orchester. Der Wandel von einzelnen Tönen in reine Emotionen beeindruckt ihn, "alle Achtung für die Interpretation dieses komplizierten Werkes". Die CD, so versichert er, stehe auf jeden Fall auf seiner Liste, die Aufzeichnungen der ASG-Technikcrew geben ihm Hoffnung auf eine Neckarsulmer Version.

Zuerst mit Trommeln, dann mit Flöten, Singstimmen, Trompeten, Bläsern und Streichern beginnen die Neckarsulmer das Konzert, bis das gesamte Ensemble zu einem klanglich überragenden Stimmbild vereint ist: Noch fröhlich und selbstbewusst, deuten sich in dem auf ein französisches Volkslied um 1450 zurückgehende Melodie "L"homme arme" bereits erste Misstöne des Krieges an. 1999 zum Milleniumwechsel hat der Waliser Jenkins das Werk genutzt, um auf ein Jahrhundert entsetzlicher Kriege zurückzublicken und einen zur Hoffnung verpflichtenden Ausblick auf das kommende Jahrhundert zu vermitteln.

Im Eindruck des Bosnienkrieges geschaffen, stehen muslimische und christliche Welt nebeneinander. Mit dem zweiten Stück "Call to Prayers" sorgt der zwölfjährige Samed Karaca aus Unterheinriet für Spannungssteigerung, der dem moslemischen Gebetsruf mit feiner melodiöser und zugleich entschlossener Kinderstimme Leben verleiht. Rebecca Massa ist das Pendant auf christlicher Seite, die das zärtliche Kyrie mit reiner Sopranstimme zur Vollendung führt.

Psalmen, katholische Liturgien sowie vertonte Texte von Kipling, Dryden und Swift führen in den Wahnsinn des Krieges: Männerstimmen und Paukenschlag, feinsinnig einhämmernde Rhythmen im "Sanctus" und halbtonartige Melodien in Moll führen zum Trompetensolo und zu Unheil verheißenden Geigen in "Angry Flames", das von Hiroshimaopfer Toge Sankichi getextet worden war.

Erlösung

Erst das Agnus Dei bringt Erlösung von der Dramatik, Friederike Wimmer (Alt) verleiht eindrucksvoll den Überlebenden ihre Stimme: Trauer, Vergebung und die zarte Hoffnung auf einen Neuanfang führen zur Überzeugung "Better is Peace" im großen Finale. Seit Dezember haben die 75 Sänger und Sängerinnen mit Detzel ihren Part eingeübt. Drei gemeinsame Proben mit den von Musikdirektor Jochen Hennings bestens vorbereiteten 85 Mitglieder des Jugendsinfonieorchesters sorgten für den Feinschliff.

Eine weitere Aufführung findet am Sonntag, 18. Juli, ab 20 Uhr in St. Johannes im Neckarsulmer Neuberg statt.

Heilbronner Stimme, 17. Juli 2010