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Chorprojekt Gloria 2017

Zusammen mit dem Projektchor der Chorfreunde Willbach hatten die Musiker des Neckarsulmer JSO die Möglichkeit gleich zwei "Glorias" aufzuführen, die unterschiedlicher nicht sein könnten - das Gloria von Karl Jenkins sowie das Gloria von Antonio Vivaldi.

Vivaldis Gloria (RV 589) entstand zwischen 1713 und 1717 - eine Messe aus dem Barock für Chor mit Solisten sowie Streichorchester und kleiner Bläserbesetzung.

Jenkins "modernes" Gloria dagegen wurde 2010 vollendet und in London uraufgeführt. Die Besetzung setzt sich aus gemischtem Chor mit Solist sowie einem großen Sinfonieorchester mit farbenreichem Schlagwerk zusammen. Zwischen den einzelnen Teilen werden kurze Textpassagen aus heiligen Schriften verschiedener religiöser Traditionen eingespielt und runden damit das eindrucksvolle Werk ab.

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Zwei gänzlich unterschiedliche Gloria

Obersulm Musikspektakel mit Vivaldi und Jenkins: Über 300 Zuhörer feiern Chorfreunde Willsbach & Freunde mit Standing Ovations

Von Roland Kress

Ein Abend bei den Chorfreunden Willsbach verspricht immer etwas Besonderes, und so verwundert es nicht, dass die Hofwiesenhalle beim angekündigten "Gloria" von Antonio Vivaldi und Karl Jenkins ausverkauft ist. Zusammen mit dem Projektchor vom Chorverband Heilbronn und dem Jugendsinfonieorchester Neckarsulm bieten die Gastgeber einen Hörgenuss, an dessen Ende sich das Publikum von seinen Sitzen erhebt und die rund 130 Akteure auf der Bühne feiert.

Auf dem Programm stehen zwei Vertonungen des Gloria-Textes aus der lateinischen Messe. Der barocken Version des venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi wird das 2010 uraufgeführte Gloria des Walisers Karl Jenkins gegenübergestellt. Zwischen beiden Kompositionen liegen fast 300 Jahre − verschiedene Epochen und Kontexte, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. "Die Idee dazu hatte ich schon vor über zwei Jahren. Es war für mich die Herausforderung, Altes und Neues sowohl in Text wie in Musik gegenüberzustellen. Beides ist uns heute in eindrucksvoller Weise gelungen", zeigt sich Annette Glunk als Gesamtleiterin des Projekts nach Konzertende glücklich.

Aufwand "Ein ganz herzliches Willkommen bei den Chorfreunden. Es sind unglaublich viele Menschen, denen heute mein Dank gilt", begrüßt Vereinsvorsitzender Daniel Vogelmann, zugleich aktiver Sänger, das Publikum. Er weiß, welch immense Arbeit hinter diesem Konzertabend steckt. Den ersten Teil bestreiten über 40 Sängerinnen und Sänger der Chorfreunde Willsbach zusammen mit dem Jugendsinfonieorchester Neckarsulm. Mitreißend und unter die Haut gehend wird Antonio Vivaldis Musikwerk mit "Gloria in excelsis Deo" eröffnet. Das zwölfsätzige, zyklisch angelegte Werk zeichnet sich durch die melodiöse Schönheit der Soloarien von Wiebke Huhs (Sopran) und Fabienne Schwarz-Loy (Alt) aus. Der Chor gestaltet die Sätze mit überzeugend vorgetragener Strahlkraft.

Im zweiten Programmteil stehen über 60 Sängerinnen und Sänger mit 70 Mitgliedern des Jugendsinfonieorchesters Neckarsulm auf der Bühne. Klanggewaltig setzt das Werk von Karl Jenkins ganz andere Akzente. Psalmtexte, freie Dichtungen und gesprochene Texte anderer Religionen werden eingefügt.

Als Zuhörer wirdman an die Filmmusik großer Hollywood-Filme biblischen Inhalts erinnert. Ein Highlight setzt die Solostimme von Wiebke Huhs bei "I’ll Make Music". Ein rasantes "Lord of the Dance" mit dem Jugendsinfonieorchester Neckarsulm unter Leitung von Musikdirektor Jochen Hennings begeistert das Publikum zwischen beiden Gloria-Aufführungen.

Begeisterung "Das waren sehr intensive Chorproben. Aber wenn man die Begeisterung in den Augen des Publikums sieht, hat sich die Mühe gelohnt", zieht Susi Frech, Sängerin der Chorfreunde und Vorsitzende des Jugendchors Chorvision Heilbronn, zufrieden das Resümee eines Musikspektakels.

Heilbronner Stimme 08. Mai 2017

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Gelungene Verschmelzung von Wort und Klang

Begeisterte Zuhörer beim Konzert von Jugend-Sinfonieorchester und Chorfreunde Willsbach

Von Ute Plückthun

Glückliche Umstände und das Internet waren es, die die Chorfreunde Willsbach auf ihrer Suche nach einem klanglichen Partner auf das Neckarsulmer Jugend-Sinfonieorchester hatten stoßen lassen. Nach intensiven Proben allein und gemeinsam taten sich Sänger und Instrumentalisten im Kultursaal der Ballei zum großen Klangkörper zusammen und erhielten dafür von den Zuhörern begeisterten Applaus. Den ersten Abschnitt meisterten zunächst die jungen Neckarsulmer Musiker mit kurzweiligen Stücken, die sie unter anderem bereits beim Neujahrkonzert geboten hatten. Sie werden außerdem Teil des Programms der anstehenden Konzertreise sein.

Schwanensee Von filigran bis triumphal, mit keltisch-höfischen und treibend-jauchzenden Anklängen präsentierten sie unter Leitung von Jochen Hennings die fünf "Folksongs and Dances" von David Stone, bevor sie sich mit dem Thema aus Tschaikowskys Schwanensee in einem Arrangement von Thomas Stapf gekonnt dem klassischen Gefilde zuwendeten.

Feine Flötenklänge leiteten das von Ronan Hardiman komponierte und von Larry Moore zusammengestellte Medley zu "The Lord of the Dance" ein. Wiederum verstand es das Jugend-Sinfonieorchester, durch den Wechsel von satten Bassklängen, treibenden Streichern oder einpeitschendem Schlagwerk bei etlichen Zuhörern rhythmische Zuckungen zu verursachen.

Nach der Pause übernahm Annette Glunk den Taktstock über Instrumentalisten und die Chorfreunde Willsbach. Die rund 45 Sängerinnen und Sänger hatten sich für das Konzert, das

am Vorabend in der Willsbacher Hofwiesenhalle zudem durch das Gloria von Antonio Vivaldi in zwölf Sätzen einen Ausflug in den venezianische Barock bot, mit 20 Projektsängern aus dem ganzen Kreis zusammengetan. Ihre Interpretation des 2010 uraufgeführten Gloria von Karl Jenkins setzten sie in fünf Sätzen mit kurzen Einspielungen von Texten aus heiligen Schriften verschiedener religiöser Traditionen hervorragend um.

Ekstatisch Ausdrucksstark und ekstatisch entfaltete sie die Proklamation "Gloria in excelsis , bevor sie das Gebet "Laudamus te" einfühlsam und andächtig folgen ließen. Den dramatischen Aspekten des Psalms "Tehellim" folgte ein besonders eindrucksvolles Klangerlebnis: Wiebke Huhs, Stimmbildnerin, Solistin und Chorleiterin im Stuttgarter Raum, verlieh dem Lied "I’ll make music", mit ihrer Sopranstimme zärtliche und versöhnliche Züge, bevor im Schlusssatz mit der exzessiven Wiederholung des "amen" geradezu monumentale Töne zu Gehör kamen.

Den Applaus des Publikums konterte das Jugend-Sinfonieorchester mit dem "Brett aus Neckarsulm" als rasante Wiesengrund-Interpretation. Mit einem Teil des fünften Jenkins-Satzes kamen die Zuhörer außerdem erneut in den Genuss von Chor und Orchester.

Heilbronner Stimme 10. Mai 2017

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Sonntagskonzert des Jugendsinfonieorchesters mit den Chorfreunden Willsbach

Kraftvoll – kraftspendend

Text und Fotos pek

Sowohl quantitativ als auch qualitativ war das Sonntagskonzert in der Ballei ein herausragendes musikalisches Event. Vor 300 Jahren setzte Antonio Vivaldi das in der kirchlichen Liturgie verankerte „Gloria“, passend in die lateinische Tradition. Diese zentrale Aussage mit Verkündung, Gebet und Verherrlichung erweiterte der britische Komponist Karl Jenkins im Jahr 2010 um einen vertonten Psalm und ein englisches Lied.

Dirigiert von der Chorleiterin Annette Glunk bewältigte das erfahrene Jugendsinfonieorchester (JSO) das Stück bravourös. Über den strahlenden ersten Satz, die sanfte und hingebungsvolle Fortsetzung, das „Jauchzet dem Herrn“, das in ein „Halleluja“ mündet, die Anbetung und der Jubel bis zum finalen „Amen“ waren die Musiker immer engagiert dabei und hatten den tosenden Applaus und die „Hurra-Rufe“ verdient. Dieses Stück wurde stimmlich getragen von dem mächtigen gemischten Chor. Mit 25 Männer- und 35 Frauenstimmen verfügen die Willsbacher über ausreichend Volumen, um ein solches Werk auch im großen Kultursaal zu präsentieren. Die präzisen Einsätze machten auch schwierige Stellen zu einem reinen Vergnügen. Zwischendurch übernahm die Solistin Wiebke Huhs den Gesang mit ihrer sanften und sehr angenehmen Sopranstimme. Der Komponist hat zudem kurze Texte aus dem Hinduismus, Buddhismus, Daoismus und Islam eingefügt, die das Werk auf eine noch höhere Ebene stellt.

Die Wirkung der Musik in Kombination mit Gesang und Texten in fremder Sprache war sehr eindringlich. Mit lang andauerndem Applaus bedankten sich die Zuhörer im sehr gut gefüllten Saal für den besonderen Genuss.

Bei den drei Zugaben ragte die Neckarsulmer Hymne „Im schönsten Wiesengrunde“ in der JSO-Version heraus. So schlossen die jungen Musiker den Kreis und kamen wieder zur Gegenwart und dem Ausgangspunkt zurück.

Im ersten Teil des Sonntagskonzerts präsentierte das Jugendsinfonieorchester fünf Folksongs von David Stone, das herrliche „Schwanensee“ von Tschaikowski und Ronan Hardimans sehr lebendiges „Lord oft the Dance“. Nach diesem Vorspiel musste Musikdirektor Jochen Hennings den Zuhörern versichern, dass jetzt schon Pause wäre, denn die hatten sich erst eingehört.

Neckarsulmer Journal, KW19/2017