Zum Inhalt springen

Chorprojekt 2018

Das Chorprojekt 2018 wurde zusammen mit dem Schüler-Lehrer-Eltern-Chor des Albert Schweizer Gymnasiums sowie mit dem Kirchenchor Bühl, Schwarzwald realisiert. Erarbeitet wurde die Messe in D-Dur von Otto Nicolai.

Die Messe wurde im August 1832 vom Gründer der Wiener Philharmoniker in Posen komponiert und dort am Gedenktag der Kirchweih am 26. August im Posener Dom uraufgeführt.

Neckarsulm.jpg

Musikalischer Leckerbissen in sakraler Form

NECKARSULM Jugend-Sinfonieorchester und Chöre des Gymnasiums proben für „Messe in D“

Von Ute Plückthun

Fulminant, freudig und furios klingt das Gloria durch den Josef-Lindemann-Saal der Musikschule. Die vier Chöre des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG), ihre Gäste aus Bühl und das Jugend-Sinfonieorchester geben alles. Doch ganz zufrieden ist Lehrer Michael Meier noch nicht. „Bleibt bis Takt 18 gesprächiger“, rät er den Streichern zu mehr flotter Pointierung. Der enge Wechsel von Crescendo und Decrescendo stellt alle vor Herausforderungen. „Auch der Chor darf auf das Tempo achten“, sagt der Dirigent.

Musikalische Rädchen Die musikalischen Rädchen fügen sich immer passender ineinander. Feinschliff ist angesagt bei der ersten gemeinsamen Probe, die über 200 Instrumentalisten und Sänger vereint. Nach dem Neujahrskonzert hat Musikdirektor Jochen Hennings mit dem Jugend-Sinfonieorchester „auf Sommermodus gewechselt“ und angefangen, für die „Messe in D“ von Otto Nicolai zu üben.

„Sie stellt höhere Ansprüche an alle“, sagt er. Zugleich erkennt er einen Mehrwert insbesondere für die jüngeren Beteiligten, Instrumentelles und Vokales zu verbinden: „Sie lernen Stücke zu singen und zu spielen, die sie sonst nicht kennen würden: Das erweitert das Repertoire und den Horizont.“

1995 fand das erste gemeinsame Weihnachtskonzert von ASG und Musikschule statt. Seitdem kamen die Chöre von Wolfgang Riedel, später Xaver Detzel und in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal Michael Meier in zweijährigem Rhythmus mit Musikdirektor Jochen Hennings zusammen. Und Weihnachtskonzerte, zum 40-jährigen Bestehen der Musikschule die Carmina Burana oder das Gloria von Vivaldi, auf die Bühne. Die musikalischen Projekte führten zu Konzertreisen zudem nach Carmaux und Budakeszi. Für zwei Konzerte geht es für das JSO Mitte Mai nach Bordighera. Auch dafür probt das Orchester den Walzer von Dmitry Schostakowitsch, den Bolero von Maurice Ravel und die Irish Suite von Leroy Anderson. „Die drei Stücke werden wir vor der Messe spielen: als Vorband“, verrät Jochen Hennings lachend, der sein Orchester im Vorfeld der mit Spannung erwarteten ersten Gesamtprobe fitgemacht hat.

Die Idee zur Messe kam von Michael Meier, der sie zu Ostern 2017 bereits mit seinem Bühler Chor in St. Peter und Paul aufgeführt hatte. Erst kurz vor Ostern 2018 mussten die rund 40 Sängerinnen und Sänger das Gelernte auffrischen. Der ebenso große Eltern-Lehrer Chor, der Mittel-Oberstufenchor mit 30 Schülern sowie der 25-köpfige Unterstufenchor, der mit drei kleineren, von seinem Lehrer komponierten Intonationen vor Gloria, Sanctus und Agnus Dei vertreten sein wird, studiert das Werk dagegen eine Weile ein und war zum Probentag in Bühl. Die Kooperation bietet deutliche Vorteile: „Die Bühler bekommen ein Orchester, der Chor klingt als satte Mannschaft umso harmonischer, und es gibt zwei Konzertorte“, zählt Meier auf.

Die Gäste sind 130 Kilometer zur Probe angereist. Trotz Stau, in dem bis auf Tenor Jean-Noel Teyssier seine ebenfalls aus dem Straßburger Raum kommenden Kollegen Aline Gasian (Sopran) und Matthias Rossbach (Bass) sowie Laura Gordiani (Alt) aus Freiburg zunächst feststecken: Allesamt Profis, die für die Konzerte engagiert wurden.

Dass bei der Messe Fugen mit Koloraturen bewältigt werden müssen, vom Sopran ordentlich Höhe sowie insgesamt viel Kondition verlangt wird und sehr vielfältige Stilrichtungen zu Gehör kommen, unterstreicht Michael Meier. Die Akteure sind indessen hochmotiviert.

Positive Bewertung „Nicht schwierig, sondern großartig“, findet Dorothea Schlenker. Seit über 50 Jahren in Kirchen- und Orchesterchören aktiv, ist die Erlenbacher Organistin einst über ihre Kinder als Altistin zum Eltern-Lehrer-Chor gekommen. Das sakrale Werk gefällt Arne Gärtner (10), der seit fünf Jahren das Spiel auf dem Horn erlernt und ganz frisch ins JSO gekommen ist, gut. Zum Anspruch sagt er: „Geht so. Man muss halt transponieren können.“

Heilbronner Stimme

Bühl.jpg

Monumentale Klangfülle

Kirchenchor St. Peter und Paul Bühl brilliert zusammen mit Chören und Jugendorchester aus Neckarsulm

Bühl (bgt) - Eine Aufführung von großer Dynamik und Eindringlichkeit erlebten die Konzertbesucher in der Stadtkirche St. Peter und Paul in Bühl bei freiem Eintritt zu Christi Himmelfahrt. Die Kirchenbänke waren am frühen Donnerstagabend bis auf den letzten Platz belegt, die Spendenkörbchen zum Schluss gut bestückt.

Welche Aufführung hatte die Besucher in Scharen in die Kirche gelockt? Und was hatte sie schließlich bewogen, sich am Ende spontan von den Sitzen zu erheben und frenetisch zu applaudieren? Es war die großartige Ensembleleistung des Kirchenchors St. Peter und Paul mit dem Mittel- und Oberstufenchor sowie des Eltern- und Lehrerchors des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Neckarsulm zusammen mit dem Jugend-Sinfonieorchester der städtischen Musikschule Neckarsulm - eine Spitzenleistung, dirigiert von Jochen Hennings, dem Leiter der Musikschule, als auch des Kirchenchorleiters Michael Meier, der das Konzert mit den Chören einstudiert hatte.

Zur Aufführung kam die Messe in D-dur für Soli, Chor und Orchester von Otto Nicolai (1810-1849), dem Komponisten der bekannten komischen Oper, “Die lustigen Weiber von Windsor“. Wer den Gründer der Wiener Philharmoniker nur als Opernkomponisten kennt, ist überrascht über dieses sakrale Werk, seiner einzigen veröffentlichten Messe, die 1845 in der Wiener Hofkapelle uraufgeführt wurde. Dass Nicolai seinerzeit keinen Verleger für dieses wunderbare Werk gefunden hatte, so dass es erst Anfang des 20. Jahrhunderts gedruckt werden konnte, mag noch mehr überraschen, denn es zeugt von ausgesprochener Tiefe und steht den Messen anderer Komponisten in nichts nach.

Die insgesamt etwa 110 Akteure erfüllten das Kirchenschiff mit schier monumental anmutendem Klang, was zudem dessen gewaltiger Akustik geschuldet war. Dabei gingen die Stimmen von Jung und Alt eine Symbiose von ganz eigener Charakteristik ein, unterstützt von einem jugendlichen Orchester voller Enthusiasmus. Packend schon das „Kyrie“ - ein sehr bewegender Beginn der Messe, die von vier großartigen Solisten begleitet wurde: Aline Goslan (Sopran), Laura Gordiani (Alt), Jean-Noel Teyssier (Tenor) und Matthias Rossbach (Bass). Sie agierten kraftvoll, dynamisch, präzise im Einsatz und mit hoher Ausdruckskraft, was sie besonders im „Benedictus“ unter Beweis stellten.

Bleibt zu erwähnen, dass der Einstieg in das Konzert mit Dimitry Schostakowitschs (1906-1975) vielgespieltem „Walzer Nr.2“ erfolgte sowie „Bolero“ von Maurice Ravel (1875-1937) und mit der „Irish Suite“ von Leroy Anderson (1908-1975).

War es schon ein Wagnis ein Projekt dieser Dimension in Angriff zu nehmen, als noch größere Leistung muss es gelten, es in dieser Qualität zur Aufführung gebracht zu haben. Mit stehenden Ovationen dankten die Besucher Chören und Orchester.

Badener Tagblatt