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Jugend-Sinfonieorchester Neckarsulm on Tour

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In diesem Jahr zu ungewohnter Zeit in den Herbstferien befand sich das Jugend-Sinfonieorchester der Städtischen Musikschule auf Konzertreise im Chiemgau.

Untergebracht im Aktiv-Jugendhotel im oberbayerischen Luftkurort Aschau, in unmittelbarer Nähe der Kampenwand und des Chiemsees, absolvierten die 76 Orchestermitglieder und ihre Begleiter/-innen im wahrsten Sinne des Wortes ein durch und durch getaktetes Programm.

Bei der Reiseplanung im Vorfeld hatten Musikschuldirektor und Schulleiter, Jochen Hennings und Susanne Blawert, Vorsitzende des Fördervereins Jugend-Sinfonieorchester, sowohl ein „Schönwetter-“ als auch ein „Schlechtwetter“- Programm erarbeitet.

Mittwoch, 2.11.

Als gleich am ersten Tag im Chiemgau der Regen die Schifffahrt zur Fraueninsel im Chiemsee vereitelte, war es ein Leichtes in den „Lokschuppen“, ein Ausstellungszentrum in Rosenheim zu fahren und sich in drei Gruppen durch die fantastische Ausstellung WIKINGER! führen zu lassen. Ein unvergessliches Erlebnis für alle. Die Ausstellung lässt ein vielschichtiges, wirklichkeitsnahes Bild der Wikingerzeit entstehen und räumt mit gängigen Klischees über die Wikinger auf. Diese Erlebnisausstellung präsentiert hochklassige und teilweise erstmalig ausgestellte Highlights aus dem Lunds Universitets Historiska Museum in Schweden und bringt durch Filme, Spiele und Animationen Licht in die mythen- und sagenumwobene Epoche der Wikinger. Sogar ein über 17 m langes Original-Kulissenschiff aus dem Film „Wickie auf großer Fahrt“ ist auf dem Vorplatz des Lokschuppens aufgestellt und befindet sich nun sicherlich auf ganz vielen Smartphones der jungen Musikerinnen und Musiker!

Da abends in Grassau am Chiemsee das erste Konzert angesetzt war, war der Nachmittag mit dem Aufbau im Konzertsaal sowie einer 2 ½ stündigen Orchesterprobe ausgefüllt.

Nach nur kurzer Verschnaufpause eröffnete Musikdirektor Jochen Hennings im Heftersaal in Grassau vor kleinem Publikum den Konzertabend mit Edward Elgars March No. 1 aus „Pomp and Circumstance“, der auch als 2. Nationalhymne der Briten gilt. Gleich zu Beginn war zu hören, dass der Saal über eine hervorragende Akustik verfügt und der Klang sich wunderbar vermischt. Allen Beteiligten auf der Bühne war die Spielfreude und Begeisterung über das gemeinsame Musizieren deutlich anzumerken und so sprang der Musikfunke gleich über. Bis zur Pause erklangen mit Schubert und Tschaikowsky eher romantische Musikfolgen, ergänzt durch den „Fantasie Fluss“ des Nachwuchskomponisten des Jugend-Sinfonieorchesters Timo Heller, bevor der schwungvolle „Lord Of The Dance“ die Pause einläutete. Die Zuhörerinnen und Zuhörer nutzen die Gelegenheit, um mit den jungen Musikanten ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen, bevor sie den ebenso begeisternden zweiten Teil des Konzertes erlebten.

Verstärkt durch das schuleigene Akkordeon-Ensemble unter der Leitung von Galina Grigorjan, das in der zweiten Konzerthälfte zum Einsatz kam, erhielt das Orchester eine ganz neue und bereichernde Klangfarbe. Das Programm bestand aus zwei englischen Tänzen, einem russischen Walzer, dem Libertango aus Argentinien und einer Jamaican Rumba. Ein äußerst anspruchs-, schwungvolles und rasantes Konzertprogramm, das regelrecht zum Mittanzen einlud und bei den Anwesenden nach den „Pirates Of The Carribean“ wahre Begeisterungsstürme hervorrief, die mit etlichen Zugaben belohnt wurden.

Natürlich ist nach einem solchen Konzert der Adrenalinspiegel ziemlich hoch und entsprechend locker und gelöst war dann auch die Stimmung in den Bussen auf der Fahrt zurück zur Unterkunft.

Donnerstag , 3.11.

Frühes Aufstehen war angesagt: am Vormittag ging es nach Ettal zu einer Schaukäserei und zum unmittelbar daneben liegenden Benediktinerkloster mit der Ettaler Basilika, deren Kuppel sich majestätisch vor den Felsen der Alpen erhebt. Während sich eine Gruppe der Besichtigung von Klosteranlage und Basilika widmete, ging die andere in die Schaukäserei, einem Zentrum der traditionellen Käseproduktion, deren Produkte zu 100% von Bauern aus der Region stammen und die in vollem Umfang in den Schaukäserei Ammergauer Alpen verarbeitet werden. In einem Demonstrationsvideo wurden die verschiedenen Schritte der Käseproduktion anschaulich präsentiert, fachkundig ergänzt und kommentiert. Zum Abschluss des Infoteils konnten zahlreiche Käsesorten wie das Ettaler Manndl, der neu kreierte Bockshornklee-, Feuer- oder auch Heublumenkäse verkostet werden. Damit alle in den Genuss sowohl geistiger als auch kulinarischer Spezialitäten kommen konnten, fand eine zweite Führung für die jeweils andere Gruppe statt.

Danach hieß es gleich die Busse zu besteigen und sich auf die Rückfahrt, dieses Mal nach Prien am Chiemsee, zu begeben, denn dort waren wieder Konzertaufbau und Probe vorgesehen, damit abends das Konzert im großen Kursaal ebenso bravourös wie am Vorabend gemeistert werden konnte.

An diesem Abend fanden ca. 60 Zuhörer/innen den Weg in das Konzert – darunter auch eine Museumführerin aus Rosenheim, die eine Gruppe des JSO am Mittwoch durch die Wikinger-Ausstellung im Lokschuppen geführt hatte. Das Wiedersehen mit ihr noch kurz vor Konzertbeginn war ein ganz besonderes Highlight! Solchermaßen beschwingt begeisterten die jungen Musikerinnen und Musiker auch dieses Publikum, unter dem sich einige „Wiederholungstäter/innen“ befanden, die zudem noch Verstärkung mitgebracht hatten. Gibt es einen besseren Beweis dafür, dass Musik verbindet?

Dieser Abend endete mit einem leckeren Nachtmahl noch zu später Stunde, ein ganz besonderer Service des Aktiv-Jugendhotels.

Freitag, 4.11.

Auch dieser Tag im Chiemgau begann mit frühem Aufstehen: statt selbst zu musizieren stand um 10 Uhr die Teilnahme an der öffentlichen Generalprobe der Münchner Philharmoniker im Kulturzentrum Gasteig in München auf dem Programm. Der Dirigent, Lionel Bringuier, Franzose gerade mal 30 Jahre alt und bereits Gast auf allen Bühnen der Welt, eröffnete die Probe mit der Symphonie Nr. 5 F-Dur op. 76 von Antonin Dvorak. Danach beeindruckte der weltweit renommierte und international gefragte niederländische Flötist Herman van Kogelenberg, zur Zeit Soloflötist der Münchner Philharmoniker, mit dem Konzert für Flöte und Orchester des zeitgenössischen französischen Komponisten Marc-Andre Dalbavie. Zum Abschluss der Generalprobe präsentierten die Münchner Philharmoniker „Le Corsaire“, die Konzertouvertüre op. 21 von Hector Berlioz. Dass ein Profi-Orchester selbst noch in der Generalprobe neue Varianten zur Optimierung der Musik erarbeitet, beweist, dass bis zum Schluss intensiv an einer Aufführung gearbeitet wird und die Münchner Philharmoniker zu Recht ein Orchester von internationalem Rang sind. Sie verfügen über einen unverwechselbaren Klang, sind aufgeschlossen gegenüber neuen Formen musikalischer Praxis - das war deutlich zu hören und sehen: ein ganz besonders nachhaltiges Erlebnis für das JSO, diese Profis bei ihrer Arbeit zu erleben.

Nach kurzer Freizeit zur Erkundung der Münchner Innenstadt mit Gelegenheit zum Mittagessen, teilte sich das JSO wieder in zwei Gruppen auf. Eine Gruppe nahm die Gelegenheit wahr, an einer Führung durch die Bayerische Staatsoper teilzunehmen, dem momentanen Arbeitsplatz von Lisa Klotz, der langjährigen Konzertmeisterin des JSO. Mit dem Blick hinter die Kulissen des renommierten Opernhauses in München gewannen die jungen Musikerinnen und Musiker spannende Einblicke in das Alltags- und Arbeitsleben von Profis.

Die zweite Gruppe machte sich indes auf den Weg ins Deutsche Museum, um dort im neu renovierten Planetarium den Sternenhimmel über München kennenzulernen. In der knapp einstündigen Vorführung erfolgte dann die weite Reise ins Weltall bis zu den sog. Schwarzen Löchern und den unvorstellbar weit entfernten Milchstraßen des unendlichen Weltalls – dank allermodernster Digitaltechnik.

Zurück in der Unterkunft fand nach dem Abendessen ein bunter Abschlussabend statt.

Samstag, 5.11.

Nach Frühstück, Zimmerkontrolle und Gepäckverladung ging es staufrei über die Autobahn zurück nach Neckarsulm. Die Verabschiedung findet traditionsgemäß unterwegs während der letzten gemeinsamen Pause statt. Musikdirektor Jochen Hennings bedankt sich bei allen Betreuerinnen und Betreuern für ihre Unterstützung und er dankt auch dem Orchester für Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und die gelungenen Konzerte. Auch die Orchestersprecher bringen ihren Dank für den „Chef“ und die Organisatoren zum Ausdruck. Last but not least werden auch die beiden Busfahrer gewürdigt, die stets geduldig Gepäck, Instrumente sowie Souvenirs zuverlässig ein- und ausladen, auf nahezu alle Sonderwünsche wie „Kreiselfahren“ eingehen, dabei immer ihre gute Laune behalten und begeisterte Fans des Orchesters sind !

Gegen 15 Uhr trafen dann beide Busse und ihre Besatzungen wieder wohlbehalten an der Städtischen Musikschule ein.

Es hat sich wieder einmal bestätigt: eine Konzertreise mit all den neuen Erfahrungen, dem gemeinsamen intensiven Üben und Konzertieren, den neuen Herausforderungen, die gemeinsam gemeistert werden, lässt neue und alte Orchestermitglieder zusammen-wachsen, so dass ein Klangkörper entsteht, der begeistert und alle trägt. Auch auf dieser Konzertreise hat das Jugend-Sinfonieorchester einmal mehr den Beweis erbracht, dass es Neckarsulm und die Städtische Musikschule hervorragend präsentiert, wo immer es spielt.