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Konzertreise nach Rumänien

Auch in diesem Jahr startete das Jugendsinfonieorchester unter Leitung von Musikdirektor Jochen Hennings wieder zu seiner schon traditionellen Konzertreise, die dieses Mal in die Heimat „Draculas“ nach Transsylvanien in Rumänien führte.

Durch die Vermittlung von Alfred Bosch waren Kontakte nach Brasov zu dem Music College „Tudor Ciortea“ und dessen Direktor Professo Dr. Ioan Oarcea entstanden. Geplant waren gemeinsame Konzerte mit den Chören „Astra“ und Transilvania“

Das große Engagement von Alfred Bosch, dem ehemaligen Fagott- und Akkordeonlehrer der Musikschule, von Helga Friedel, der Vorsitzenden des Fördervereins und Jochen Hennings auf deutscher und von Dr. Ioan Oarcea und Gheorghe Poppa auf rumänischer Seite trug zum Gelingen der Konzertreise bei. Alfred Bosch war auch während der Reise eine wertvolle Hilfe bei der Überwindung der Sprachbarrieren, unterstützt von Jonutz Lungu, der das Orchester spontan auf seiner Reise begleitete.

Schon eine Woche zuvor durften wir unsere zukünftigen Gastgeber in Neckarsulm empfangen. Auch hier waren Alfred Bosch und Jonutz Lungu als Übersetzer dabei, und dank des unermüdlichen Einsatzes von Helga und Bernd Friedel war es möglich, auch denjenigen Chormitgliedern aus Rumänien, für die keine private Unterkunft gefunden werden konnte, eine Übernachtungsmöglichkeit in der Musikschule zu schaffen und dort auch für deren leibliches Wohl zu sorgen.

So waren die ersten Kontakte schon geknüpft und die Wiedersehensfreude in Rumänien dann entsprechend groß.

Die Fahrt führte uns, nach einer Übernachtung im ungarischen Szeged, nach Brasov in die Karpaten, wo wir im Bergdorf Busteni unser Quartier bezogen.

Nach einem etwas verspäteten Abendessen zogen sich die meisten auf ihre Zimmer zurück. Immerhin lagen mehr als 20 Stunden Fahrt in zwei Tagen hinter den Jugendlichen und ihren Begleitpersonen.

Am nächsten Morgen wurden alle Teilnehmer im barocken Rathaus empfangen. Anschließend war ein kleines Empfangskonzert  im Music College. So verging der Morgen schnell und schon war es Zeit zur Probe für den ersten Auftritt in der Kirche St. Bartolomae. Nach einem ausgedehnten Mittagessen im CFR Railway College war die Möglichkeit gegeben, bis zum Beginn des Konzertes Brasov zu erkunden.

Das Konzert selbst war ein denkwürdiges Ereignis, da dem Publikum in der voll besetzten Kirche untersagt wurde zu applaudieren. Eröffnet wurde  es mit einem Stück aus den „Vier Jahreszeiten“, „Der Frühling“ von Antonio Vivaldi mit der Bundespreisträgerin Lisa Klotz an der Solovioline, die dieses Stück hervorragend meisterte. Es folgte eine mitreißende Interpretation der Sinfonie H-Moll „Die Unvollendete“ von Franz Schubert und die Polowetzer Tänze von Alexander Borodin.

Schließlich boten die Chöre „Astra“ und „Transilvania“ mit dem Orchester die Messe in G-Dur von Franz Schubert dar. Zum Schluss musizierten die jungen Sinfoniker die Filmmusik aus „Fluch der Karibik“. Danach gingen alle still auseinander.

Ganz anders das Konzert am nächsten Tag.

Wir besuchten, nach einer Sightseeing-Tour durch eine wunderbare Landschaft, die aber auch durch große Armut gezeichnet ist, die Kinderfarm in Aricesti.

Hier finden Straßenkinder und Waisen eine neue Heimat und lernen, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, was Liebe, Mitgefühl, und Gemeinschaft bedeuten.

Die Kinder, Jugendlichen und Betreuer empfingen uns mit einem bunten Strauß an Heimatliedern und Tänzen. Die voll besetzte Turnhalle, auch mit Besuchern aus umliegenden Orten, war zum Konzertsaal umgerüstet und dekoriert mit von Kindern gebastelten Blumen und einem riesigen Schriftzug „Herzlich Willkommen Jugendsinfonieorchester Neckarsulm“. Man spürte die Freude der Kinder und Jugendlichen über den Besuch, und dieser Funke sprang auf Orchester und Begleitpersonen über.

Das Orchester wurde dieses Mal nach jedem dargebotenen Stück mit stehendem, nicht enden wollenden Applaus belohnt. Als Zugabe gab es dann noch die Filmmusik aus „Star Wars“.

Nach einer Führung über die Kinderfarm hatte man noch Gelegenheit bei einem von den Kindern hergestellten Essen, einer riesigen Pizza, Erfahrungen auszutauschen.

Auf der Rückfahrt war es diesmal stiller im Bus, und die eine oder andere nachdenkliche Stimmung machte sich bemerkbar angesichts des vorher Erlebten.

Das Abschlusskonzert fand schließlich in Busteni statt. Auch hier war, nach anfänglicher Zurückhaltung, die Begeisterung der Besucher groß und der Bürgermeister bat mit den Worten „So etwas schönes haben wir hier noch nicht erlebt“ darum, bald wieder nach Busteni zu kommen.

Bei dem anschließenden Empfang wurde allen Orchestermitgliedern eine CD-Aufnahme überreicht, ein Mitschnitt des Konzerts in der Kirche St. Bartolomae, und das offizielle T-Shirt der beiden rumänischen Chöre. Dabei wurde deutlich betont, wie sehr man das gemeinsame Musizieren über Ländergrenzen hinweg genossen hat, und dass man an einer weiteren Zusammenarbeit und der Vertiefung der beginnenden Freundschaft interessiert ist.

Wieder einmal konnte man in eindrucksvoller Weise sehen und spüren, wie die Musik Sprachbarrieren überwindet und die Melodien der Herzen zum Klingen bringt.

Im Hotel wurde dann noch mit einem kleinen bunten Programm eine Abschiedsparty gefeiert, die die Orchestermitglieder organisiert hatten.

Die Zeit zwischen den Konzerten war ausgefüllt mit verschiedenen Besichtigungen.

Besonders erwähnenswert ist die schwarze Kirche in Brasov: eine ursprünglich romanische Basilika, die nach der Zerstörung im Mongolensturm 1241 als gotische Hallenkirche wieder aufgebaut wurde. Ihren Namen verdankt sie einem Brand im 17. Jahrhundert der die Mauern schwärzte. In der Schwarzen Kirche steht die größte Orgel Siebenbürgens mit 4000 Pfeifen und 76 Registern. Außerdem ist hier die zweitgrößte Sammlung orientalischer Teppiche weltweit zu bewundern.

Natürlich darf bei so einer Besichtigungstour das Schloss Bran, besser bekannt als „Draculas“ Schloss nicht fehlen.

Jeder erkundete auf eigene Faust das Schloss und nahm seine eigenen Eindrücke mit nach Hause.

Faszinierend war der Besuch des noch von orthodoxen Mönchen bewohnten Klosters von Sinaja am Fuße des Bucegi-Gebirges. Die Kirchenräume sind fast vollständig mit Malereien bedeckt. Die neue Klosterkirche bot einen schönen Hintergrund für das traditionelle Orchesterfoto.

Müde und mit vielen neuen Eindrücken trat man dann am Freitag die Heimreise an, diesmal mit einer Übernachtung in Budapest.

Auch die üblich „Abschiedsrunde“ fehlte nicht. Auf einem Parkplatz überreichten Orchestermitglieder ihrem Dirigenten Jochen Hennings die rumänische Flagge mit aufgemalter Reiseroute und den Namenszügen aller Teilnehmer, ebenso ein Reiseschachspiel mit Zubehör. Den Begleitpersonen überreichte Jochen Hennings ein Weinpräsent zusammen mit dem T-Shirt der rumänischen Chöre und der CD-Aufnahme des Konzerts in Busteni.

Mit etwas Wehmut, da die gemeinsame Zeit vorüber war, nahm man zu Hause voneinander Abschied in der Gewissheit, dass es wieder eine Konzertreise geben wird.