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Neckarsulmer Jungkünstler "erobern" Golf von Korinth

Jugend-Sinfonieorchester begeistert bei Konzertreise die Griechen - Bei Unterländer Nachwuchsmusikern standen drei Aufführungen auf dem Programm

Das Jugend-Sinfonieorchester Neckarsulm nutzte die Pfingstferien und ging wie jedes Jahr auf Konzertreise. Dieses Mal stand Griechenland auf dem Programm. Nach 46 Stunden Anreise per Bus und Fähre gingen 81 junge Musiker im Alter von 13 - 24 Jahren mit ihrem Dirigenten Jochen Hennings und vier Betreuern in Patras an Land.

Ziel war eine musisch-kulturelle Begegnungsstätte in Selianitika am Golf von Korinth. Drei Konzerte waren geplant und hierfür hatte sich das Orchester bestens vorbereitet. Unter anderem auch deswegen, weil ein griechischer Komponist sein Werk nach Neckarsulm geschickt hatte, das unter der Leitung von Musikdirektor Jochen Hennings einstudiert wurde.

Das erste Konzert fand im Ferien- und Kurort Loutraki nahe Korinth statt. Mit der Sinfonia concertante und dem Andante für Flöte von Wolfgang A. Mozart, dem Nocturne von Felix Mendelssohn-Bartholdy, den English Folksongs von David Stone und der Moldau von Friedrich Smetana wurden die Zuschauer verzaubert, was der Kulturbeauftragte in einer Dankesrede besonders würdigte. Besonders reizvoll war das Konzert, weil es im Freien vor dem kleinen Hafen von Loutraki stattfand. Hier fand auch die Welturaufführung des Werkes des Komponisten Spiros Mazis, Landscapes op. 71, statt, der so angetan von der Interpretation durch das Jugendsinfonieorchester war, dass er spontan sein Werk Jochen Hennings und dem Orchester widmete.

Der zweite Tag gehörte der 180 Kilometer entfernten griechischen Hauptstadt Athen. Dass hier die Akropolis auf dem Programm stand, versteht sich von selbst. Eine einstündige Führung in englischer Sprache informierte über die antike Burg aus dem 6. Jh v. Chr. Ein Spaziergang hinunter in die berühmte Plaka, der Altstadt von Athen, vertrieb die Zeit bis zum Konzert. Dann ging des mit den Bussen in Richtung Konzertsaal im Athener Norden, vorbei am alten Olympiastadion, wo 1896 die ersten Spiele der

Neuzeit stattfanden und dem neuen Stadion der letzten olympischen Sommerspiele. Der griechische Gastgeber Andreas Drekis lotste die Busse mit Handy am Ohr durch den sprichwörtlichen Athener Verkehr in Richtung Konzertsaal. Auch hier beeindruckten die jungen Sinfoniker und wurden bei einem anschließenden Empfang durch die Stadt mit griechischen Spezialitäten verwöhnt.

Am dritten Tag ging es nach Patras, wo ein Konzert im dortigen Schulzentrum stattfand. Überrascht waren alle von dem neu errichteten Konzertsaal, ausgestattet mit Videoanlage, die mit wechselnden Kameras den Dirigenten und Ausschnitte des Orchesters auf einer großen Leinwand hinter dem Orchester wiedergibt und eine Bühne hatte, auf der das große Orchester ausreichend Platz hatte. So konnten die Zuhörer auch die Solisten, Rebekka Wahl (Flöte), Rosa Klotz (Klarinette), Sabine Krieger (Fagott), Jochen Kreß (Horn) und die griechische Solistin, die als Repräsentantin der Musikschule Patras an jenem Abend die erste Flötistin, Ulriche Polonio vertrat, in Großaufnahme bewundern.

Auch der Rückreisetag wurde so geplant, dass Kultur und Geschichte des Landes nicht zu kurz kamen. So setzte man mit der Fähre von den Peloponnes nach Zentralgriechenland über mit einem hinreißenden Blick auf die neue Brücke, die den Golf von Korinth überspannt. Auf dem Festland wurde noch ein antikes Theater besucht, das steil über einer fruchtbaren Ebene zwischen uralten Eichen gelegen, zuletzt nur noch schweißtreibend zu Fuß erreichbar war. Trotz des beschwerlichen Anstiegs nahmen einige der jungen Sinfoniker ihre Instrumente mit, um an diesem Jahrtausende alten Ort zu musizieren. Im belebten Hafenstädtchen Messolongi mit seinen zahllosen Musik- und Eiscafès ließ man geruhsam die letzten Stunden vor der Abfahrt nach Patras verstreichen. Nach turbulenten Tagen, anstrengenden Proben und Konzerten freute man sich auf den Pool der Fähre nach Venedig. Wer allerdings dachte, dass nur Faulenzen angesagt sei, musste sich eines Besseren belehren lassen. Mit ungebrochener Kreativität hatten sich die Musiker als Dankeschön für ihren Dirigenten etwas ganz Besonders ausgedacht. Ein in Griechenland erstandenes Gummiboot wurde aufgeblasen und im Pool zu Wasser gelassen. Während Jochen Hennings im Boot eine Runde drehte, sangen und musizierten 81 junge Leute sehr zum Vergnügen der anderen Fährpassagiere ein eigens hierfür gedichtetes Lied.